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Gesundheitskompetenz und chronische Krankheiten Gesundheitskompetenz und chronische Krankheiten Beliebt

Zusammenfassung:

Die Verbesserung von Gesundheitskonzept ist ein wichtiges Gesundheitsziel, dessen Maßnahmen im individuellen Bereich und bei den gesellschaftlichen Systemen und Organisationen ansetzen sollte. Demnach bedarf es einem Gesamtkonzept mit gebündelter Anstrengung. Die Ausrichtung von Maßnahmen auf chronisch kranke Personen, ist eine zentrale Voraussetzung, um Gesundheitskompetenz-fördernde Verhältnisse zu schaffen und Menschen bei eigenverantwortlichen Entscheidungen zu unterstützen (Fousek et al., 2012, 34). Denn Menschen sind eher dazu bereit, sich gesundheitsbewusst zu verhalten, wenn sie wissen, dass sie ihre Gesundheit selbst beeinflussen können und ihre eigenen Fähigkeiten dazu als ausreichend einschätzen (Pelikan et al., 2013, S. 29).

Es sind alle Institutionen gefragt, wie z.B. Schulen, der öffentliche Gesundheitsdienst, medizinische Einrichtungen, Fachgesellschaften, Verbraucherverbände, Selbsthilfegruppen und auch Betriebe (Sänger, 2014, S.9). Die Versorgung sollte bürger- bzw. patientenorientiert ausgerichtet sein. In der Deklaration der Internationalen Patientenvereinigung (IAPO) werden wichtige Prinzipien angeführt, darunter findet sich z.B.  die „klare, zuverlässige und umfassende Information, in einem angemessenen Format, und auf die individuellen Bedürfnisse, die Sprache, das Alter, das Wissen, die Fähigkeiten und den kulturellen Hintergrund abgestimmt.“ (Fousek et al., 2012, S. 18)

Über Dreiviertel der Personen mit chronischen Erkrankung verfügen über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Die Kommunikation zwischen Gesundheitsanbieter mit Personen, die eine mangelhafte Gesundheitskompetenz aufweisen gestaltet sich häufig schwierig, ist jedoch notwendig, um die Einhaltung des Therapieplans zu ermöglichen. Es ist daher wichtig das Bewusstsein bei Gesundheitsanbietern zu erhöhen um Information an die Fähigkeiten und den Kontext anzupassen. Es geht um die Zugänglichkeit von relevanten Informationen bzw. die Fähigkeit, diese zu finden, die Verständlichkeit von Informationen oder Kommunikationen bzw. die Fähigkeit, diese zu verstehen, die ausgewiesene Qualität der Informationen bzw. die Fähigkeit, diese zu beurteilen, sowie deren Anwendbarkeit bzw. die Fähigkeit, diese auch auf sich selbst anzuwenden (Pelikan et al., 2013, S. 14). Medizinische Fachausdrücke sollten grundsätzlich in diesem Zusammenhang vermieden werden, sowohl in schriftlichen Informationsmaterialien als auch im Gespräch, auch wenn die Person einen gesundheitskompetenten Eindruck macht. Die Möglichkeit innerhalb der Kommunikation eingeschränkte Gesundheitskompetenz auszugleichen sollte erkannt und genutzt werden. Es bedarf Änderungen der Einrichtung bzw. des Systems um die Anforderungen des Gesundheitswesens besser an die Fähigkeiten und Möglichkeiten der betroffenen Personen anzupassen. Gesundheitskompetente Krankenversorgungseinrichtungen betrachten Gesundheitskompetenz nicht als individuelles Merkmal, sondern berücksichtigen auch den jeweiligen Kontext. Kranke Personen, deren Gesundheitskompetenz unter normalen Umständen adäquat ist, könnten, wenn sie krank oder verängstigt sind, Schwierigkeiten bei der Verarbeitung und Nutzung von Informationen haben (Brach et al., 2012, S. 3).

Bei chronisch Erkrankten ist das Messen von gesundheitsrelevanten Fähigkeiten im medizinischen Zusammenhang zu wenig, weil das Management im Alltag, außerhalb des medizinischen Settings erfolgt. So ist Gesundheitskompetenz auch nicht für alle Bereiche des Selbst-Managements gleich relevant (Heijmans et al., 2014, S.7). Bis dato gibt es wenige Untersuchungen dazu welche Fähigkeiten besonders wichtig sind. Es wird angenommen, dass komplexe kommunikative und kritische Fähigkeiten als besonders wichtig erachtet werden (Heijmans et al, 2014, S.7). Weitere Untersuchungen und Interventionen sollten ebenso die Genderperspektive berücksichtigen, zumal in Österreich wesentlich mehr Frauen Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen als Männer.

Informationsweitergabe ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts, der sich an vulnerablen Gruppen, wie bspw. chronisch erkrankten Personen, orientieren sollte. Es sollte auf Übersetzungsdienste, Berater, Case Manager zurückgegriffen werden um Information spezifisch aufzubereiten. Marketingkenntnisse könnten verwendet werden, indem bewusst die Kombination von Bildern und verbaler Information eingesetzt wird um die Erinnerungsrate besonders hoch zu halten. Auch alternative Materialien wie z.B. audiovisuelles Material könnte eingesetzt werden. Zur Beurteilung des Risikos könnten z.B. risikobasierte Grafiken (Icon Arrays) verwendet werden.

Festzuhalten sei die Relevanz, dass sich Wissen an der Evidenz orientieren soll. Grundsätzlich sollte nur Information kommuniziert werden, um eine gesundheitskompetente Entscheidung im Einzelfall zu ermöglichen (Sänger, 2014, S. 9). Bluthochdruck wird als Risikofaktor betrachtet und ist nicht per se eine Erkrankung. Der Nutzen für diese Dauermedikation, die oft von Nebenwirkungen begleitet wird, muss verständlich kommuniziert werden damit der Therapieplan befolgt wird. Auf die in diesem Zusammenhang oft vorgeschlagene Poly-Pille soll hier nicht weiter eingegangen werden, da sie nicht dem befähigenden Konzept der Gesundheitsförderung entspricht und möglicherweise eher Risiken mit sich bringt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gesundheitskompetenz eine wichtige Determinante für die Therapieplanbefolgung außerhalb des medizinischen Settings ist. Interventionen zum Selbst-Management von Bluthochdruck erwiesen sich als sehr schulungslastig und wenig erfolgreich.

Wie auch beim Modell von Sörensen et al. scheint ein systematisches Konzept mit regelmäßigen Kontaktpunkten erfolgreicher zu sein, das auf persönlicher Ebene interveniert und Maßnahmen auf Systemebene umsetzt, bspw. Aufgaben leichter gestaltet und Organisationen vernetzt. Dafür ist zuvor auch eine Analyse des Systems notwendig. Eine Untersuchung der Versorgung von Menschen mit Bluthochdruck, wie z.B. der Einfachheit, Verständlichkeit, Lesbarkeit oder Transparenz von Angeboten und Produkten könnte durchgeführt werden. Maßnahmen sollten chronisch erkrankte Personen eher befähigen und selbst zum Experten ihrer Erkrankung machen. Eine Änderung der medizinische Sichtweise von Gesundheit und Krankheit könnte Patienten (von lat.: geduldig, aushaltend, ertragend) dazu befähigen sich trotz chronischer Krankheit gesund zu fühlen und der motivierende Anstoß für die Entwicklung von Patientenkompetenz sein.

Daten

Version
Dateigröße702.65 KB
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Sprache Deutsch
LizenzCreative Commons external
AutorMag. (FH) Marlene Trolp
Webseite
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Erstelldatum22-02-2015
Erstellt vonGastautor
Änderungsdatum27-06-2017
Geändert vonAlexander Riegler

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